Alt-Text, Titel, Bildbeschriftung, Beschreibung: Welches WordPress-Bildfeld wofür?
In einem Kundenprojekt lag ein Beratungsfoto in der Mediathek – ein Mann, der mit beiden Händen eine Lösung erklärt. Im Feld Beschreibung stand: Firmenname, Copyright, Name des Fotografen, dazu eine interne Bildnummer. Der Alt-Text war leer.
Das Theme gibt die Beschreibung als kleine Pille über dem Bild aus. Bei längeren Credits wird sie abgeschnitten. Besucher:innen sehen einen halben Firmennamen und ein Copyright-Zeichen. Screenreader-Nutzer:innen bekommen bei diesem Bild gar nichts: keinen Alt-Text, keinen lesbaren Credit.
Ein einziges Feld am falschen Ort, und gleich zwei Dinge fehlen: die Textalternative und der lesbare Bildnachweis. Dabei hat jedes der vier Bildfelder in WordPress genau einen Zweck.
Die vier Felder im Überblick
| Feld | Wofür | Sichtbar für | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Alt-Text | Ersetzt das Bild für alle, die es nicht sehen: Screenreader, ausgeschaltete Bilder, Suchmaschinen | Screenreader-Nutzer:innen, Suchmaschinen, bei Ladefehlern alle | Mann mit Brille und grauer Kleidung, der mit beiden Händen gestikuliert |
| Titel | Interne Bezeichnung in der Mediathek, oft der Dateiname | Meist niemand auf der Seite | Alex_erklaert |
| Bildbeschriftung | Sichtbarer Text unter dem Bild (figcaption), üblicher Ort für den Bildnachweis |
Alle, Screenreader lesen sie mit | © Enfants Terribles |
| Beschreibung | Längere Notiz zum Bild, standardmäßig nur auf der Attachment-Seite | Nur dort, wo das Theme sie ausgibt | Aufnahme aus einem Beratungsgespräch, Lizenz für Web und Print |
Die Beispiele sind erfunden, das Prinzip nicht. Jetzt jedes Feld einzeln.
Alt-Text: beschreibt Inhalt und Zweck
Der Alt-Text steht für das Bild, wenn niemand es sehen kann. Er beantwortet die Frage: Was würde fehlen, wenn das Bild fehlt?
Bei einem Beratungsfoto ist das die Handlung und die Situation: „Mann mit Brille und grauer Kleidung, der mit beiden Händen gestikuliert“. Ein leerer Alt-Text (alt="") ist nur bei rein dekorativen Bildern richtig: Trennlinien, Hintergrundmuster, Schmuckgrafiken ohne eigene Aussage. Ein Foto, das eine Beratungssituation zeigt, gehört nicht dazu. Es zeigt, worum es auf der Seite geht. Ohne Alt-Text fehlt diese Information für alle, die das Bild nicht sehen.
Der Credit gehört nicht hinein. Wer „Foto: Alex Stotz“ in den Alt-Text schreibt, lässt Screenreader-Nutzer:innen bei jedem Bild erst den Fotografen hören und dann, was zu sehen ist. Der Bildnachweis hat einen eigenen Platz.
Bildbeschriftung: der Ort für den Credit
Die Bildbeschriftung wird im HTML als figcaption ausgegeben, direkt beim Bild, für alle sichtbar. Screenreader lesen sie mit. Für einen Bildnachweis wie „© Enfants Terribles“ ist sie deshalb das übliche und richtige Feld.
Eine Regel dabei: Alt-Text und Bildbeschriftung wiederholen sich nicht. Steht im Alt-Text „Mann erklärt im Büro“ und in der Beschriftung „Mann erklärt im Büro“, hört ein Screenreader den Satz doppelt. Der Alt-Text beschreibt das Bild, die Beschriftung ergänzt, was sich dem Bild nicht ansehen lässt: Quelle, Anlass, Urheber:in.
Beschreibung: meist ein Feld für die Redaktion
Die Beschreibung erscheint in WordPress standardmäßig nur auf der Attachment-Seite, also der eigenen Seite einer Mediendatei. Die meisten Websites verlinken sie nirgends.
Als einziger Ort für einen Credit ist sie deshalb ungeeignet, es sei denn, euer Theme gibt sie ausdrücklich an sichtbarer Stelle aus. Im Kundenprojekt tat es genau das, als Pille über dem Bild. Das funktioniert nur, solange der Text kurz bleibt und das Theme ihn barrierefrei ausgibt. Als Ablage für interne Notizen wie Lizenzumfang, Aufnahmedatum oder Ablageort ist die Beschreibung dagegen gut geeignet.
Titel: meist unkritisch
Der Titel entsteht beim Upload aus dem Dateinamen. Er hilft beim Suchen in der Mediathek. Für die Barrierefreiheit spielt er in der Regel keine Rolle, weil er auf der Seite nicht ausgegeben wird. Ein sprechender Titel wie „Alex_erklaert“ erleichtert die Pflege, mehr muss er nicht leisten.
Der Credit: sichtbar, lesbar, ohne Interna
Der Bildnachweis hat eine rechtliche Grundlage: Die Urheberbenennung ergibt sich aus § 13 UrhG, und Creative-Commons-Lizenzen verlangen sie ausdrücklich. Das ist keine Rechtsberatung. Praktisch gelten diese Punkte:
Für alle sichtbar. Ein Credit, der nur bei Hover erscheint, erreicht Touch-Geräte und Tastaturnutzer:innen nicht. Er gehört dauerhaft ins Bild oder darunter.
Kein Ticker ohne Pause. Läuft der Credit als Marquee oder Animation, verlangt WCAG 2.2.2 eine Möglichkeit zum Anhalten. Dazu kommt eine Reaktion auf prefers-reduced-motion. Wer die Animation weglässt, spart sich beides.
Keine Pseudo-Elemente. Steckt der Credit in einem ::after mit content, lesen Screenreader ihn teils gar nicht vor. Bildnachweise sind Inhalt und gehören ins HTML.
Keine internen Bildnummern. „Enfants Terribles © Alex Stotz, IMG_1539“ zeigt öffentlich, wie die Bilddatenbank sortiert ist. Für Besucher:innen ist das Rauschen. Die Nummer gehört in die Beschreibung, der Credit in die Bildbeschriftung.
Sammelnachweis als Alternative. Erlaubt die Lizenz eine gebündelte Nennung, reicht eine Bildnachweis-Seite oder eine Zeile im Footer. Das hält Seiten mit vielen Bildern ruhig. Die Lizenz entscheidet, ob das zulässig ist, prüft sie vorher.
Warum das seit Juni 2025 mehr Gewicht hat
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz gilt seit Juni 2025. Für viele Websites bedeutet es: Inhaltstragende Bilder brauchen eine Textalternative, und sichtbare Inhalte müssen für assistive Technologien erreichbar sein. Der Maßstab ist WCAG 2.1 AA. Ein Beratungsfoto ohne Alt-Text und mit einem halb abgeschnittenen Credit erfüllt weder die eine noch die andere Anforderung.
Die gute Nachricht: Der Fix ist Umsortieren. Alt-Text schreiben, Credit in die Bildbeschriftung verschieben, interne Nummer in der Beschreibung ablegen, Theme-Ausgabe prüfen.
Und wenn die Mediathek hunderte Bilder hat?
Dann lohnt sich Unterstützung beim Befüllen. Enfants IMG Performer (Pro) erzeugt Alt-Texte und weitere Bildfelder wie Bildbeschriftung und Beschreibung. Jedes Feld lässt sich einzeln ein- und ausschalten. Wer den Credit lieber selbst pflegt, lässt die Bildbeschriftung aus und überlässt der Automatik nur den Alt-Text.
Wichtig für die Datenschutzplanung: Das Bild geht dafür an den KI-Anbieter, den ihr im Plugin wählt. Dafür braucht es einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit diesem Anbieter.
Mehr dazu: https://img-performer.enfants.de/
Weiterlesen
Wie ihr eine bestehende Mediathek Schritt für Schritt BFSG-konform bekommt, steht hier: https://img-performer.enfants.de/blog/2026-09-02-mediathek-bfsg-konform
Was ein Alt-Text ist, wann er Pflicht ist und woran ihr dekorative von inhaltstragenden Bildern unterscheidet: https://img-performer.enfants.de/blog/2026-09-01-bilder-beschreiben-alt-text
Checkliste: Ein Bild, vier Felder
- Alt-Text vorhanden und beschreibt Inhalt oder Zweck? Leer nur bei rein dekorativen Bildern.
- Kein Credit, kein Dateiname und kein „Bild von“ im Alt-Text?
- Credit in der Bildbeschriftung, für alle sichtbar?
- Alt-Text und Bildbeschriftung wiederholen sich nicht?
- Keine interne Bildnummer im öffentlichen Credit?
- Beschreibung: Gibt das Theme sie aus? Wenn ja, ist sie kurz und lesbar. Wenn nein, ist sie Ablage für interne Notizen.
- Keine Marquee-Animation ohne Pause und
prefers-reduced-motion? - Credit steht im HTML, nicht in einem Pseudo-Element?
- Sammelnachweis? Erlaubt die Lizenz das?
Beitragsbild: [Enfants Terribles]